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Vereitelter Terror-Anschlag bei Oberursel oder deutsche False-Flag Operation?

terror hessen wasserstoffperoxid

(Terrorpanik by „Bild.de)

Obacht! Im Hessischen Oberursel wurde nach Medienmeldungen unter Berufung auf die Funde einer polizeilichen Hausdurchsuchung angeblich ein islamistisch-terroristischer Anschlag verhindert. Was fand man?

eine funktionsfähige Rohrbombe, dazu unter anderem Bauteile eines Sturmgewehres G3, 100 Schuss Munition vom Kaliber neun Millimeter, ein Übungsgeschoss für eine Panzerfaust, drei Flaschen mit Wasserstoffperoxid, Brennspiritus.

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Obwohl die Nachrichtenportale von einem „Waffenarsenal“ sprechen, stellt sich die Sachlage deutlich anders dar: keine funktionsfähige Waffe, stattdessen „Bauteile“ ohne dazugehörige, passende Munition. Dafür aber 100 Patronen leichte 9mm-Munition, wiederum ohne dazugehörige, passende Waffe. Dann das „Übungsgeschoss für eine Panzerfaust“ – Panzerfaust klingt erstmal ganz böse nach Kriegswaffe und großer Volksgefahr. In Wirklichkeit jedoch ist ein solches Übungsgeschoss nichts weiter als angemaltes Metall ohne Sprengwirkung – eben nur zur Übung, wozu ihnen aber auch noch die Panzerfaust als solches fehlte. Solch Geschoss kann man sogar völlig legal bei egun als Deko kaufen (ohne Treibladung). Also ein recht mickriges und väööig wirkungsloses „Waffenarsenal“, was sich die „Terroristen“ da angelegt haben.

Übrigens kam man diesem „Terror-Paar“ nur auf die Schliche, weil sie angeblich in einem Baumarkt größere Mengen (die man aber gar nicht benötigt, sie unten) Wasserstoffperoxid auf falschen Namen gekauft hätten (weil namentliche Registrierung bei Großmengen erforderlich), woraufhin die Kassiererin misstrauisch wurde und die Polizei informierte, die ihrerseits dann mit der Überwachung begann und den Terror-Verdacht erhärtet sah, „als er [der Baumarktkunde] sich nahe der Strecke eines am 1. Mai stattfindenden Radrennens bewegte“. WTF?!

 Kommen wir nun zum spannenden Teil: dem Wasserstoffperoxid und der „Rohrbombe“

Kein Wort von der Polizei, worin die „Funktionsfähigkeit“ der aufgefundenen „Rohrbombe“ liegen soll – lag lediglich ein verschließbares Baumarktrohr mit gefüllten Nägeln vor oder war bereits ein Sprengsatz verbaut und wenn ja, mit welchem Sprengstoff? Denn das beschlagnahmte Wasserstoffperoxid soll ja zur Herstellung von Apex (TATP, Acetonperoxid) gedient haben:

Mit der  Chemikalie hätte sich der Sprengstoff TATP herstellen lassen, wie er des öfteren bei islamistischen Anschlägen zum Einsatz kam, sagte der Chef des Polizeipräsidiums Westhessen, Stefan Müller.

Acetonperoxid gehört allerdings zu den empfindlichsten Sprengstoffen überhaupt – schon wenige Gramm (!) nebeneinander liegend können zur spontanen Selbstdetonation führen, ebenso der Kontakt zu Metall oder zur Sonne. Nur lebensmüde Menschen würden diese Substanz in größeren Mengen herstellen – und schon gar nicht in einer „funktionsfähigen Rohrbombe“ in ihrer Wohnung lagern, da es außerdem während der Lagerung sublimiert und noch viel empfindlicher wird als ohnehin (jede Erschütterung wie das Heben oder gar Transportieren der „Rohrbombe“ würde dann zur Explosion führen).

Absolut lächerlich! Da Freunde von mir als Jugendlicher experimentell ohne Fremdgefährdung selbst Sprengstoff hergestellt haben (ja, auch Apex), weiß ich, wovon ich rede – si3 haben davon vielleicht einen halben Teelöffel einmalig zur Explosion gebracht und das war rückwirkend betrachtet schon extrem leichtsinnig. Schon bei der ersten Synthese fing das Ganze in einer riesigen Stichflamme an zu verpuffen. Aus diesem Grund stellt man in der einschlägigen „Sprengszene“ auch das etwas stabilere HMTD her. Wie der Chef des Polizeipräsidiums Westhessen also zu der Annahme kommt, Apex wäre schon desöfteren bei islamistischen Anschlägen zum Einsatz gekommen, bleibt ein Rätsel ohne Quellenbeleg – zeigt aber, wie unkritisch die Mainstreammedien jegliche Behördenaussage schlucken.

Wenn überhaupt, hätte man mit wenigen Millilitern (!) statt drei Litern Wasserstoffperoxid also das HMTD hergestellt – aber auch nur in Kleinstmengen, da ebenfalls nicht stabil und unsicher. Man würde auch niemals HMTD für eine größere Bombe alleinig verwenden, sondern es in einer 0,5-2g Sprengkapsel als Initialsprengstoff nutzen, um damit eine größere Menge Sekundärsprengstoff zur Detonation zu bringen – und hier wird im nichtmilitärischen Bereich meist Ammoniumnitrat (mit etwas beigemischtem Öl oder Diesel zur Wirkerhöhung, genannt ANFO) aus Baumarktdünger verwendet, so wie es auch der Norwegen-Attentäter in Oslo tat. Von einem solchen Sekundärsprengmaterial ist jedoch keine Rede, was ja schon damals bei den vermeintlichen Sauerland-Terroristen genauso lächerlich gewesen ist. Diese wollten angeblich kiloweise Apex herstellen und bunkerten dafür absurde 700 Liter Wasserstoffperoxid – schon bei der Synthese wäre ihnen der ganze Laden um die Ohren geflogen. Auch von dieser Absurdität nie ein Wort in den Medien.

Oder wisst ihr noch den Fall vor wenigen Jahren, als die Medien groß aufgeschrien haben, weil angeblich irgendwer mit „verdächtig klingendem Namen“ zur Sprengstoffherstellung hunderte Kühlakkus mit Ammoniumnitrat gekauft hat? Schon damals haben Kritiker aus den alternativen Medien darauf hingewiesen, dass man sich diese Substanz umstandslos aus Baumarktdünger extrahieren kann, anstatt sie aus mit Gel vermischten, teuren Kühlpads mühsam zu gewinnen. Und die Medien? Verloren auch darüber kein Wort, sprangen allesamt kritiklos auf den Terrorzug auf.

Als Fazit muss man ganz klar konstatieren, dass der aktuelle Fall aus Oberursel viele Fragen aufwirft, die vom Mainstreamjournalismus nicht einmal gestellt werden und den Verdacht erwecken, hier waren entweder Volldilettanten am Werk, oder aber man habe hier etwas medial Wirksames finden WOLLEN und deshalb in der Summe zwar gefährlich klingendes Material dort platziert/ ihnen zukommen lassen*, das in seiner Endanwendung letztlich aber unwirksam ist – einzig von der angeblich „funktionsfähigen Rohrbombe“ ginge Schaden aus. Doch ob und welcher Sprengstoff darin vorlag, ist eine bisher ungeklärte Frage und wird hoffentlich die nächsten Tage beantwortet werden (Nachtrag Juli 2015: bis heute unbeantwortet, die Pressesprecherin verweigerte mir hierzu mehrfach die Auskunft). In den Kommentaren des verlinkten Spiegel- und Zeit-Artikels kann man jedenfalls wieder den erleichterten Systemlemming beruhigt aufatmen hören, der sich über diesen Ermittlungserfolg freut und dafür zukünftig auch gerne die Einschränkung seiner Grundrechte („Vorratsdatenspeicherung“) in Kauf nähme…

* Dies schien einigen Lesern unklar zu sein, was ich damit meine. Folgende Überlegung steckt dahinter: Um durch künstliche Bedrohungsszenarien die Islam-Terror-Panikwelle aufrecht erhalten zu wollen, macht es eben Sinn, diese via „false flag“-Operation ab und an selbst herbeizuführen. Dies gelänge zum Beispiel über die Anwerbung entsprechend kulturell verwurzelter Leute durch einen Geheimdienst. Unter falschen Vorwänden könnte dieser dem Pärchen dann gewisse Utensilien zustecken und zum Kauf bestimmter Substanzen gegen hohe Aufwandsentschädigung animieren. Der Geheimdienst lanciert dann an die Polizei diese Informationen und weiß genau über die nachfolgende Außenwirkung in der Presse nach dem Fund solcher Materialien Bescheid, wodurch er letztlich sich selbst und seine Aufgaben der Terrorabwehrmaßnahme legitimiert und aufrecht erhält. Nur ein Gedankengang, aber nach den geheimen Waffen- und Sprengstoffdepots in deutschen Wäldern durch die NATO-Geheimarmeen („Gladio“) nicht mehr völlig undenkbar. UPDATE JULI 2015: Die Frau wurde nun aus der U-Haft entlassen. Die Ermittler gehen genau wie schon vermutet eher von einer Logistiktätigkeit des Pärchens aus: „Eine Theorie der Kriminalisten besagt, dass die Eheleute nicht selbst ein Attentat planten, sondern als Logistiker für andere Terroristen Material beschaffen und Sprengsätze zusammenbauen sollten.

Update

Der männliche Part des Terror-Duos soll sogar „studierter Chemiker“ gewesen sein. Umso lächerlicher die Behauptung, gerade dieser würde trotz seines Fachwissens den völlig instabilen, hochgefährlichen und zur Selbstdetonation neigenden Sprengstoff Acetonperoxid (TATP, Apex) herstellen wollen, wie die Polizei ja behauptet. Auch hätte er sich Wasserstoffperoxid völlig unauffällig in niedriger Konzentration (und natürlich kleineren Mengen, siehe oben) beschaffen und selbst hochkonzentrieren können (wobei dies für HMTD bspw. nicht mal notwendig ist). Unglaublich grotesk, die Geschichte wird immer absurder!

Update

Nach einem dezenten Bloghinweis hat gar Fefe (ja, DER Fefe) auf Teile meiner Argumentation zurückgegriffen und teils wörtlich aus diesem Beitrag zitiert. Leider hat er eine direkte Verlinkung gescheut, wohl weil ihm dieser Blog dann doch zu heiß/ VT ist. Eigentlich wäre das ja ein dreistes Plagiat und ich hoffe nicht, dass Fefe regelmäßig nach dem Muster arbeitet „Gute Info dude, aber Quelle ist mir zu unseriös und ein dankeschön per Mail gibt es auch nicht, doch ich übernehms einfach mal“.Hier sein Statement:

Nicht ein Gewehr haben sie gefunden, sondern Bauteile eines Gewehrs. Bauteile. Sie sagen noch nicht mal, dass das ein vollständiger Set Bauteile war!

Dann 100 Schuss 9mm Munition. Die passen nicht in ein G3. Nicht mal annähernd. Ist das andere Ende des Spektrums, das ist für leichte Pistölchen.

Panzerfaust klingt gruselig, aber sie haben keine Panzerfaust gefunden, sondern ein Übungsgeschoss. Wie sie so ein Übungsgeschoss aus? Das ist ein Stück angemaltes Metall. Ohne Sprengstoff drin. Kann man sich im Internet für 10 Euro klicken.

[…]

Oh, aber warte, da war ja auch noch die Rohrbombe! Leider gibt es von der kein Bild. Hmm. Ja, warum eigentlich nicht? Weil man sonst sehen könnte, dass das eher Feuerwerk als eine Bombe ist? War da überhaupt Sprengstoff drin oder war das nur ein Rohr und das Wasserstoffperoxid sollte zum Sprengstoff werden?

Wie macht man überhaupt aus Wasserstoffperoxid Bomben? Ist das realistisch?

Update zum „vereitelten“ „Terror-Anschlag“ bei Oberursel – Kritik und Ungereimtheiten

Vielen Dank an den Kommentator Gyümölcs Kovács und seine Mühe der Recherche. Auch ich fragte derweil offiziell beim Pressesprecher nach, inwiefern denn die angebliche Bombe funktionsfähig gewesen sein soll – ob da überhaupt Sprengstoff drin war etc. Nach anfänglicher Ignoranz drängte ich auf eine Antwort und bekam dann schließlich mitgeteilt, dass man mir ohne Nachweis eines Presseausweises nichts bekannt geben wird. Wie bitte soll denn dann Informationsgewinnung funktionieren, wenn die Medien darin offensichtlich versagen, wir Blogger/ Interessierte dieses Versäumnis aber nicht korrigieren können/ dürfen?!

Update

Die Frau wurde nun aus der Untersuchungshaft entlassen. Auf die Bilder der angeblich funktionsfähigen Rohrbombe warten wir allerdings bis heute vergeblich – sehr wahrscheinlich war sie überhaupt nie „funktionsfähig“, aber dazu schweigt sich selbst der Pressesprecher nach mehrmaliger Anfrage weiterhin aus und behauptet doch kackfrech, diese Information könne man aus der medialen Berichterstattung entnehmen. Lüge ist’s!

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